Eine Verpackung kann aus recyceltem Material bestehen und trotzdem schwer erneut verwertbar sein. Umgekehrt kann eine gut recyclingfähige Verpackung wenig Rezyklat enthalten. Die beiden Eigenschaften dürfen in Einkauf und Produktkommunikation nicht vermischt werden.
Rezyklatanteil blickt auf den Materialeinsatz
Hier geht es darum, welcher Anteil des eingesetzten Materials aus Recycling stammt. Frage, auf welche Komponente, Bezugsgröße und Materialherkunft sich die Angabe bezieht. Ein Prozentwert für eine Flasche gilt nicht ohne Weiteres auch für Verschluss, Etikett und Versandkarton. Die PPWR behandelt Rezyklatanteile bestimmter Kunststoffverpackungen gesondert.
Recyclingfähigkeit blickt auf die Verwertung
Für die Recyclingfähigkeit sind unter anderem Materialkombinationen, Trennbarkeit und die vorgesehenen Verwertungswege relevant. Ein hoher Rezyklatanteil belegt diese Eigenschaft nicht. Auch zukünftige PPWR-Anforderungen müssen mit ihren jeweiligen Anwendungszeitpunkten und konkretisierenden Regeln betrachtet werden. Vermeide deshalb pauschale Aussagen wie erfüllt bereits alle Vorgaben bis 2040.
Ein Datenblatt mit getrennten Nachweisfeldern
Lege für Rezyklatanteil und Recyclingfähigkeit jeweils Quelle, Bezugsgegenstand, Prüfdatum und Einschränkungen an. Wenn ein Lieferant nur einen Gesamtprospekt liefert, frage nach der konkreten Ausführung. Eine Aussage über die Produktfamilie kann mehrere Materialien oder Herstellungsvarianten umfassen. Prüfe außerdem, ob eine Prozentangabe den gesamten Verpackungsaufbau oder nur einen Materialanteil betrifft. Diese Trennung hilft auch dem Marketing: Aus einem freigegebenen Datenfeld lässt sich eine eng begrenzte Aussage formulieren, ohne versehentlich eine zweite, nicht nachgewiesene Eigenschaft mitzubehaupten.
Die beiden Eigenschaften im Einkauf unabhängig prüfen
Prozentangaben mit ihrer Bezugsgröße erfassen
Notiere bei jeder Prozentangabe, auf welchen Bestandteil und welche Masse sie sich bezieht. Ein Anteil für den Flaschenkörper darf nicht ohne zusätzliche Berechnung auf Flasche, Verschluss und Etikett zusammen übertragen werden. Prüfe außerdem, welche Art von Recyclingmaterial gemeint ist und welche Unterlage die Aussage stützt. Wenn die Angabe nur für eine Produktfamilie gilt, frage nach der bestellten Variante. Eine saubere Erfassung macht spätere Vergleiche zwischen Angeboten möglich. Ohne dieselbe Bezugsgröße können zwei scheinbar identische Prozentwerte unterschiedliche Aussagen enthalten. Bewahre die ursprüngliche Formulierung auf, damit ihre Einschränkungen bei der Übertragung in interne Felder nicht verloren gehen.
Änderungen am Gesamtaufbau erneut bewerten
Ein höherer Rezyklatanteil im Hauptmaterial beantwortet nicht, wie die gesamte Verpackung nach Gebrauch verwertet werden kann. Prüfe daher Materialkombinationen, trennbare Bestandteile und verfügbare Nachweise zur vorgesehenen Ausführung separat. Ein neues Etikett oder eine Beschichtung kann relevant sein, obwohl der Flaschenkörper unverändert bleibt. Wenn du einen Umweltvorteil veröffentlichen willst, formuliere nur die tatsächlich belegte Eigenschaft und ihren Umfang. Vermeide aus einer Materialangabe eine umfassende Aussage über den gesamten Lebensweg abzuleiten. Für die Planung zukünftiger PPWR-Anforderungen müssen zusätzlich die konkret anwendbaren Vorgaben und Zeitpunkte betrachtet werden. Eine aktuelle Lieferantenangabe ist keine pauschale Bestätigung sämtlicher späterer Anforderungen.
Vergleichbare Angebote auf dieselbe Basis bringen
Wenn du Lieferanten vergleichst, fordere dieselben Angaben für dieselben Bestandteile an. Eine Angabe zur Flasche einschließlich Verschluss ist nicht unmittelbar mit einer Angabe nur zum Flaschenkörper vergleichbar. Notiere fehlende Bezugsgrößen als offene Frage. Prüfe außerdem, ob die genannten Eigenschaften für die bestellte Ausführung oder nur für ein allgemeines Material gelten. Erst danach ist ein sachlicher Vergleich möglich. Halte die beiden Bewertungsdimensionen weiterhin getrennt, auch wenn ein Anbieter sie in einer gemeinsamen Nachhaltigkeitsgrafik zeigt. Ein höherer Wert in einem Bereich beweist nicht automatisch einen Vorteil im anderen. Die Entscheidung sollte diese Unterschiede ausdrücklich erkennen lassen.
Eine Flasche mit mehreren Komponenten
So gehst du praktisch vor
- Trenne Felder für Materialherkunft und Recyclingfähigkeit in deinen Einkaufsunterlagen.
- Prüfe Bezugsgröße, Komponente und Nachweisquelle jeder Prozentangabe.
- Bewerte Änderungen an Etiketten oder Verschlüssen erneut, auch wenn der Rezyklatanteil des Hauptkörpers gleich bleibt.
Quellen
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2025/40 – verbindlicher PPWR-Text
- Europäische Kommission: Packaging waste – Hintergrund und Umsetzung
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist ausschließlich der jeweils gültige Gesetzestext.